Was sind Dark Patterns?
Dark Patterns kann man in Deutsch sinngemäss als «fiese Tricks» bezeichnen. Es handelt sich dabei um subtile Designtricks, die unsere Entscheidungen und unsere Handlungen auf Websites, in Apps, in Online-Shops oder auf Social Media gezielt steuern, ohne dass wir dies direkt wahrnehmen. Dark Patterns können uns dazu verleiten, Dinge anzuschauen, zu kaufen oder zu abonnieren, ohne dass wir dies ursprünglich wollten.
Der Begriff «Dark Pattern» wurde vom Briten Harry Brignull im Jahr 2010 geprägt. Er bezeichnete damit Gestaltungselemente, die die Entscheidungsfreiheit von Nutzern einschränken oder diese bewusst in die Irre führen. Mit Dark Patterns integrieren Anbieter gezielt Designstrategien bei der Gestaltung von Websites, Apps und Softwares, um Nutzer so zu Aktionen zu drängen, die nicht in ihrem besten Interesse liegen.
Beispiele von Dark Patterns gibt es unzählige, und jeder von uns ist sicherlich schon einmal einem begegnet: Es ist kinderleicht, online ein Abonnement abzuschliessen oder sich für einen Dienst anzumelden – ein paar Klicks und die Katze ist im Sack. Will man sich jedoch davon wieder abmelden oder einen Vertrag künden, gestaltet sich der Vorgang viel komplizierter: Man muss plötzlich den Support anrufen, der noch dazu kaum erreichbar scheint, fünf Untermenüs durchsuchen oder ein verstecktes Formular ausfüllen. Klassische Beispiele sind auch vorausgefüllte Checkboxen für Newsletter oder optionale Leistungen, die man eigentlich gar nicht benötigt.
Mit verwirrenden, irreführenden Formulierungen, Schaltflächen oder komplizierter Navigation sollen die Nutzer zu ursprünglich ungewollten Käufen oder Aktionen verleitet werden. Hoch im Trend – vor allem bei Ticket- oder Reiseanbietern – sind auch sogenannte Countdown Timer, die künstlich einen Zeitdruck erzeugen, um so den Nutzer zu schnelleren, weniger bedachten Entscheidungen zu drängen. Das gleiche Prinzip gilt auch bei anscheinend limitierten Angeboten, die mit dringlichen Botschaften wie «Nur noch ein Produkt in dieser Grösse auf Lager», «Drei andere Personen sehen sich dieses Angebot gerade an» oder auch «Nur noch ein Zimmer dieser Kategorie verfügbar» unterstrichen werden. Die angeblich knappe Verfügbarkeit erweckt den Eindruck, man müsse sofort Handeln oder man verpasse ein gutes Angebot. Ein weiteres Beispiel eines typischen Dark Pattern: Du möchtest ein Ticket für das Konzert deiner Lieblingsband kaufen. Im Warenkorb befindet sich plötzlich automatisch eine Ticketversicherung für 5 Franken extra. Wenn du nun die Versicherung nicht selbst löschst, kaufst du sie ungewollt dazu. Dark Patterns können aber noch mehr: Mit dem Architekturdesign der Apps und Website werden die Optionen so präsentiert, dass das teurere Produkt attraktiv dargestellt wird und so öfters von Nutzern gewählt wird, während günstigere Alternativen visuell deutlich weniger auffällig dargestellt werden.
Es scheint eindeutig, dass Dark Patterns gezielt unsere psychologischen Schwächen und Verhaltensmuster ausnutzen. Unsere Entscheidungen werden im Unterbewusstsein manipuliert durch das Spiel mit Angst, Unsicherheit und dem Wunsch, nichts zu verpassen.
Für Konsumenten können Dark Patterns zu unnötigen Käufen, finanziellen Verlusten, Frustration oder einem Gefühl des Kontrollverlusts führen. Ein versehentlich abgeschlossenes Abo ist nicht nur ärgerlich, es kann auch kostspielig und die Kündigung aufwendig sein. Aus ethischer Sicht sind Dark Patterns äusserst problematisch, denn sie widersprechen den Prinzipien von Transparenz und Fairness. Das Vertrauen von Nutzern in Unternehmen und Plattformen kann durch Dark Patterns untergraben werden, denn Konsumenten sollten immer gut informiert und unabhängig Entscheidungen treffen können, ohne durch fiese Tricks in die Irre geführt zu werden.
Weiss man als Nutzer über das Phänomen «Dark Pattern» Bescheid, gibt es Wege, sich davor zu schützen und Fehl- oder Panikkäufe zu vermeiden: Man sollte sich nicht von Countdowns oder Timern unter Druck setzen lassen. Bevor man im Internet etwas kauft, sollte man zudem immer nochmal einen Blick auf den Warenkorb geben. Befindet sich etwas darin, dass man nicht selbst hinzugefügt hat? Zudem ist es ratsam, nach weniger bunten, blinkenden, aufdringlichen Angeboten Ausschau zu halten. Oft verstecken sich die besseren, kostengünstigeren Optionen im Hintergrund. Es kann helfen, die Webseite oder die App für einen Moment zu schliessen und sich zu überlegen, ob man das Produkt oder das Angebot wirklich braucht. Später kann man mit einem klaren Kopf bei Bedarf jederzeit zurückzukommen.