Eigenheim im Pensionsalter: Was liegt noch drin? - GLKB

Anlage-Kolumne

Eigenheim im Pensionsalter: Was liegt noch drin?

Die Pensionierung bringt finanzielle Veränderungen mit sich. Wer im Eigenheim lebt, sollte sich deshalb frühzeitig mit Fragen rund um Tragbarkeit, Hypotheken und Investitionen befassen. Marco Küng, Finanzierungsexperte und Filialgruppenleiter Glarus Nord bei der Glarner Kantonalbank, erklärt, worauf es ankommt.

Ein Paar geht in Pension. Was ändert sich hinsichtlich Finanzierung ihres Eigenheims?

Zunächst einmal verringert sich mit der Pensionierung in der Regel das Einkommen der Kundschaft. Das beeinflusst die Tragbarkeit der Finanzierung. Entscheidend ist, ob die Gesamtkosten für das Eigenheim auch mit dem Einkommen und Vermögen im Pensionsalter langfristig tragbar bleiben. Um dies zu beurteilen, rechnen die Banken mit einem kalkulatorischen Zinssatz von rund 5 Prozent und nicht mit dem effektiven Hypothekarzins. Damit soll sichergestellt werden, dass eine Finanzierung auch bei einem höheren Zinsniveau tragbar bleibt. Bei einer neuen Finanzierung oder einer Erhöhung der Hypothek spielen zudem die Belehnungsvorschriften eine Rolle. Bei jüngeren Personen können wir bis zu 80 Prozent des Objektwerts finanzieren, bei Pensionierten sind in der Regel nur noch 67 Prozent zulässig. Die gewährte Hypothek fällt also kleiner aus und der Eigenmittelbedarf steigt.

Wer von der Pensionskasse das Alterskapital bezieht, erhält keine Rente aus der zweiten Säule mehr, das Einkommen wird also zusätzlich kleiner. Gleichzeitig verfügt die Person über mehr Kapital. Fliesst dieses in die Tragbarkeitsberechnung ein?

Ja, in einem solchen Fall wird das Kapital «verrentet»: Die Bank nimmt an, dass das Vermögen während der statistisch verbleibenden Lebenserwartung aufgebraucht wird. Diesen hypothetischen Vermögensverzehr wird dann zum Jahreseinkommen hinzugeschlagen.

Wenn die Tragbarkeit nicht mehr erfüllt ist – was dann?

So weit sollte es nicht kommen. Wir begleiten unsere Kundschaft eng und können frühzeitig prüfen, wie sich die Wohnsituation nach der Pensionierung gestalten lässt. 50 ist ein gutes Alter, um die Vorsorge- und Pensionierungsplanung zu starten. Dann bleiben noch etwa 15 Jahre, um Massnahmen fruchten zu lassen und bezüglich Eigenheims eine konsequente Amortisationsstrategie umzusetzen. Ab dem Alter 60 prüfen wir bereits die Tragbarkeit im Pensionsalter. Natürlich geht es auch um die Frage, wie lange die Kundschaft im aktuellen Eigenheim leben möchte. Mit zunehmendem Alter verändern sich die Anforderungen ans Zuhause. Wir empfehlen daher, auch Renovationen frühzeitig in die Planung einzubeziehen. In der Regel ist es sinnvoll, diese vor der Pensionierung durchzuführen, da spätere Investitionen im Ruhestand die finanzielle Flexibilität einschränken können.

Ist es überhaupt möglich, nach der Pensionierung eine neue Hypothek zu erhalten oder eine bestehende aufzustocken, etwa zur Finanzierung einer Sanierung?

Sind die Voraussetzungen hinsichtlich Tragbarkeit und Belehnung erfüllt, steht einer Finanzierung nichts im Weg. Die individuelle finanzielle Situation und der Wert der Liegenschaft spielen dabei eine zentrale Rolle.

Wenn das Eigenheim trotz guter Planung nicht mehr tragbar ist – was ist zu tun?

Wir unterstützen unsere Kundschaft dabei, eine neue Lösung zu finden. Wir kennen den Immobilienmarkt im Glarnerland und arbeiten eng mit Maklern zusammen. Ein grosses Plus für die Flexibilität ist zudem die pauschale Vorfälligkeitsentschädigung, die wir anbieten: Unsere Kundschaft kann bei einem Verkauf des Eigenheims für 1’000 Franken aus der bestehenden Hypothek aussteigen. Bei anderen Banken wird ein solcher Ausstieg meist viel teurer.

Was empfehlen Sie Kundinnen und Kunden, die im Eigenheim leben und auf die Pensionierung zugehen, ganz generell?

Frühzeitig mit der Planung zu beginnen. Wer sich schon einige Jahre vor der Pensionierung mit seiner Wohn- und Finanzierungssituation auseinandersetzt, hat deutlich mehr Handlungsspielraum. Wichtig ist dabei auch, offen über Wünsche, Ängste und mögliche Veränderungen zu sprechen.

Mit einer frühzeitigen Planung lassen sich viele finanzielle Hürden im Pensionsalter vermeiden und wichtige Spielräume erhalten.
Professionelles GLKB-Porträt vor grauem Hintergrund.
Marco Küng, Finanzierungsexperte und Filialgruppenleiter Glarus Nord bei der Glarner Kantonalbank
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