Warum Frauen ihre Vorsorge frühzeitig im Blick behalten sollten
Stehen Frauen grundsätzlich vor anderen finanziellen Herausforderungen als Männer?
Nicole Bernold: Entscheidend ist die individuelle Lebenssituation, nicht das Geschlecht. Dennoch sind es nach wie vor meist Frauen, die ihre Erwerbstätigkeit reduzieren oder aufgeben, insbesondere wenn Kinder zur Welt kommen – mit spürbaren finanziellen Folgen.
Spielt der Zivilstand eine Rolle?
Auf jeden Fall. Verheiratete sind bei Tod und Invalidität gegenseitig besser geschützt. Und auch bei den Erbschaftssteuern ist der Zivilstand entscheidend. Konkubinatspartner können zwar teilweise berücksichtigt werden, zum Beispiel in der Pensionskasse oder in der Säule 3a, dies erfordert jedoch aktive Schritte. Deshalb ist es wichtig, die eigene Situation bewusst zu prüfen und sich gegebenenfalls rechtlich abzusichern.
Frauen sollten finanziell unabhängig bleiben – Diese Empfehlung hört man oft. Aber warum?
Zum einen ermöglicht finanzielle Unabhängigkeit mehr Selbstbestimmung, zum anderen kann sie dazu beitragen, eine Partnerschaft auf Augenhöhe zu führen. Und es darf nie vergessen werden: Die langfristige Wahrscheinlichkeit, dass eine Ehe geschieden wird, liegt bei hohen 40 Prozent.
Worauf müssen Frauen achten, wenn sie wegen des Nachwuchses vorübergehend oder langfristig keiner Erwerbsarbeit mehr nachgehen?
Sie müssen ihre Vorsorgesituation im Auge behalten. In der 1. Säule werden die Beiträge entweder über den Ehemann angerechnet, wenn er jährliche Beiträge von mindestens 1’060 Franken bezahlt, oder die Frau entrichtet AHV-Beiträge als Nichterwerbstätige. In der 2. Säule, der beruflichen Vorsorge, ist die Sache ganz einfach: Ist eine Frau nicht erwerbstätig, ist sie keiner Pensionskasse angeschlossen. Wird sie später wieder erwerbstätig, kann sie die entstandenen Lücken unter Umständen schliessen. Ohne Erwerbseinkommen wird privates Sparen umso wichtiger, auch wenn dies nicht in jeder Lebensphase oder finanziellen Situation gleich gut möglich ist.
Wie?
Zum einen sollte, sofern eine Erwerbstätigkeit besteht, in die steuerbegünstigte Säule 3a eingezahlt werden. Das jährliche Maximum beträgt gegenwärtig 7’258 Franken. Zum anderen sollte möglichst viel Geld zur Seite gelegt werden, zum Beispiel in einem Fondssparplan. Da wird das Geld in Wertschriften angelegt, was Chancen auf höhere Renditen eröffnet.
Studien zeigen, dass sich nur ein Drittel der Frauen für Investitionen interessiert – gegenüber 50 Prozent der Männer. Und nur 15 Prozent der Frauen investieren am Aktienmarkt, halb so viele wie Männer. Sind Frauen grundsätzlich vorsichtiger?
Zwar investieren Frauen im Durchschnitt weniger häufig als Männer. Daraus lässt sich jedoch nicht schliessen, dass sie grundsätzlich vorsichtiger sind. Massgeblich ist vor allem der Zugang zu Finanzwissen und Erfahrung, unabhängig vom Geschlecht.
Lässt sich denn risikofrei investieren?
Nein, jede Anlage birgt Chancen und Risiken. Wichtig ist, vor einer Investition ein individuelles Risikoprofil zu erstellen und breit zu diversifizieren. Bei einem langen Anlagehorizont stimmen in der Regel dann auch die Renditen.
Kurzum: Was empfehlen Sie Frauen, damit sie finanziell gut über die Runden kommen?
Kann ein vollständiger Ausstieg aus dem Berufsleben vermieden werden, wirkt sich das in der Regel positiv auf die finanzielle Situation aus. Ist das nicht möglich, braucht es andere Vorsorgelösungen. Wichtig ist in jedem Fall das private Sparen. Die Säule 3a bietet dabei Vorteile, steht aber nur erwerbstätigen Frauen offen.
Können sich Frauen bei der Glarner Kantonalbank spezifisch beraten lassen?
Wir beraten alle Kundinnen und Kunden individuell und gehen auf ihre persönlichen Bedürfnisse und ihre Situation ein. Jede Lebensphase bringt andere finanzielle Möglichkeiten mit sich. Umso wichtiger ist es, diese bewusst zu reflektieren und passende Vorsorgelösungen zu finden.
Wer seine Vorsorge frühzeitig im Blick behält, kann finanzielle Lücken vermeiden – unabhängig vom Zivilstand.