«Es ist nie zu früh – und nie zu spät»
Die Schweiz hat ein gutes Vorsorgesystem, in das Arbeitnehmende automatisch integriert sind. Warum lohnt es sich dennoch, sich frühzeitig mit der eigenen Vorsorge zu beschäftigen?
Christian Schmid: Unser Vorsorgesystem beruht auf drei Säulen. Der gesetzliche Auftrag lautet, Einkommen bis 90'720 Franken nach der Pensionierung zu 60 Prozent durch Renten aus der ersten und zweiten Säule zu ersetzen. Dieser Auftrag ist weiterhin erfüllt. Die Menschen haben heute aber höhere Ansprüche, daher wird die 3. Säule, das private Sparen, immer wichtiger.
Ab welchem Alter lohnt es sich, sich mit der eigenen Vorsorge zu beschäftigen?
In jedem Alter. Die Themen in der Vorsorge ändern sich aber. Während junge Familien vor allem an eine gute Absicherung denken, rückt später das Sparen fürs Alter stärker in den Fokus. Ich empfehle, mit etwa Mitte 20 mit dem Sparen zu beginnen. Erfreulicherweise eröffnen viele bereits in diesem Alter eine Säule 3a (Vorsorgekonto 3a).
Wenn man mit 50 Jahren sieht, dass es später nicht reichen könnte – lassen sich dann noch Lücken schliessen?
Es ist nie zu früh, um Vorsorgegelder zur Seite zu legen – aber auch nie zu spät. Von 50 bis zur Pensionierung vergehen noch 15 Jahre. In dieser Zeit kann man in der steuerprivilegierten Säule 3a bei voller Ausschöpfung der jährlichen Maximalbeiträge über 100'000 Franken sparen. Das entspricht fast einem Drittel des obligatorischen Pensionskassenguthabens.
Welche Massnahme eignet sich besser, um die eigene Vorsorge zu stärken: ein Einkauf in die Pensionskasse oder Einzahlungen in das Vorsorgekonto 3a?
Grundsätzlich ist es sinnvoll, zuerst die Möglichkeiten des Vorsorgekontos 3a auszuschöpfen. In der privaten Vorsorge ist man zudem flexibler – etwa durch Anlagen in Wertschriften. Beim Einkauf in die Pensionskasse empfehle ich den Beizug einer Fachperson. Jede Pensionskasse hat ein eigenes Reglement. Was passiert zum Beispiel mit dem Einkauf, wenn ich vor der Pensionierung sterbe – fällt er an die Pensionskasse?
Ist es sinnvoll, für die Säule 3a eine Wertschriftenlösung zu wählen?
Das hängt vom persönlichen Anlagehorizont, der Risikofähigkeit und der Risikobereitschaft ab. Wer langfristig spart, profitiert in der Regel stärker von den Renditechancen der Finanzmärkte. Wertschriften können zwar kurzfristig schwanken, über die Jahre hinweg aber oft bessere Ertragsaussichten bieten als ein reines Sparkonto. Entscheidend ist, die passende Strategie zu wählen, damit das Vorsorgeguthaben optimal für die eigenen Ziele arbeitet.
Inwiefern spielt es bezüglich Vorsorge eine Rolle, ob man verheiratet ist oder in einem Konkubinat lebt?
Im Sozialversicherungs- und Erbrecht ist der Zivilstand entscheidend. Konkubinatspartnerinnen und -partner können einander in der 1. Säule nicht absichern, in der 2. und 3. nur zum Teil. Bei grossem Vermögen oder Wohneigentum halte ich eine Analyse für unerlässlich. Die Konkubinatspartnerin oder der Konkubinatspartner ist zum Beispiel nicht von Gesetzes wegen erbberechtigt. Und bei einer Zuweisung via Testament fallen, je nach Kanton, Erbschaftssteuern bis zu 40 Prozent an. Da braucht es passende Vorsorgelösungen.
Es ist also komplex. Wie kann man sich bei der Glarner Kantonalbank beraten lassen?
Interessierte vereinbaren einen Termin und werden von einer Spezialistin oder einem Spezialisten beraten. Ein Erstgespräch ist für alle kostenlos. Wird die Finanzplanung aufwendiger, fallen bescheidene Gebühren an, die immer klar kommuniziert werden. Beratung lohnt sich für alle Budgets und Einkommensklassen – man gewinnt ein ganzheitliches Bild und kann Ziele und eine Strategie formulieren.
Wer früh mit der Vorsorge beginnt, verschafft sich mehr finanzielle Freiheit im Alter.