«Die Aktienmärkte tendieren weiterhin nach oben» - GLKB

Anlage-Kolumne

«Die Aktienmärkte tendieren weiterhin nach oben»

Wie verlief das Jahr 2026 bislang für Anlegerinnen und Anleger – was ist im zweiten Halbjahr zu erwarten? Antworten gibt Sacha Bernheim, Anlageberater bei der Glarner Kantonalbank.

Krieg im Iran und in der Ukraine, Zollchaos, gestiegene Energiepreise ... Die Krise ist zum Dauerzustand geworden. Trotzdem erreichen die Aktienmärkte Höchststände. Warum?

Sacha Bernheim: Zum einen ist da ein gewisser Gewöhnungseffekt; der Krieg in der Ukraine zum Beispiel dauert bereits über vier Jahre. So tragisch die Situation weiterhin ist, die Auswirkungen auf die Märkte sind heute deutlich geringer als zu Beginn. Zum anderen machen die Unternehmen weiterhin gute Umsätze und Gewinne. Typisch war die Reaktion auf den Iran-Krieg: Als die USA und Israel ihre ersten Angriffe flogen, verzeichneten die Börsen kurzfristig deutliche Einbussen. Sie erholten sich aber schnell wieder.

Gibt es überhaupt noch Krisen, die die Wirtschaft nachhaltig beeinträchtigen können?

Eine längere Sperrung der Strasse von Hormus und ein erneuter Anstieg des Ölpreises hätten wohl weltweite Folgen. Vieles würde deutlich teurer, die Inflation angeheizt, die Wirtschaft gebremst. 

Teurer Franken, Zollhammer, Lieferkettenprobleme und den Schweizer Unternehmen geht es trotzdem ziemlich gut. Woher kommt diese Resilienz?

Die hiesigen Unternehmen haben gelernt, mit schwierigen Situationen umzugehen. Sie produzieren hochstehende Produkte, die nachgefragt bleiben. Zudem sind der Dollar und der Euro in letzter Zeit wieder gestiegen, was der Schweizer Wirtschaft zugutekommt.

Welches waren für Sie bislang die grössten Überraschungen im Anlegerjahr 2026?

Der Konflikt mit Iran, aus zwei Gründen: Einerseits rechnete ich nicht damit, andererseits erwartete ich nicht, dass der Iran mit der Strasse von Hormus ein derartiges Druckmittel nutzen kann. Weiter erstaunt mich auch, wie stark der Bitcoin an Wert eingebüsst hat – und auch das Gold, das eigentlich als sicherer Hafen in turbulenten Zeiten gilt. Lange Zeit rechnete der Markt zudem mit zwei Zinssenkungen in den USA in diesem Jahr, und nun sieht es eher nach einer kurzfristigen Anhebung des Leitzinses aus, was den Goldpreis drückt.

Welche Entwicklungen erwarten Sie für das zweite Halbjahr 2026?

Nach aktuellem Stand erwarten wir, dass die Strasse von Hormus wieder genutzt werden kann und es eine Beruhigung an den Märkten gibt. Die Inflationszahlen dürften eher sinken. In der Schweiz gehen wir nicht von einer Veränderung der Zinslandschaft aus. Trotz der Höchststände an den Aktienmärkten sehen wir weiterhin Chancen für eine positive Entwicklung. Besonders stark dürfte der Technologiesektor bleiben.

KI ist das grosse Anlagethema. Handelt es sich hier um eine Blase, wie manche behaupten?

Vergleiche mit der Dotcomblase im Jahr 2000 sind wahrscheinlich nicht angebracht. Die grossen, stark in KI investierten Unternehmen erwirtschaften riesige Gewinne. Zahlreiche kleinere Zulieferer profitieren davon. Aber klar: Nicht alle Unternehmen, die jetzt auf KI setzen, werden zu den Gewinnern gehören können. Daher ist es gut, nicht selektiv in einzelne Unternehmen zu investieren, sondern mit Kollektivanlagen zu arbeiten.

Was empfehlen Sie Anlegerinnen und Anlegern für das zweite Halbjahr 2026?

Im aktuellen Marktumfeld sehen wir bei den Obligationen nur begrenztes Renditepotenzial. Deshalb bevorzugen wir derzeit eine leicht erhöhte Aktienquote. Wichtig bleibt, in verschiedene Anlageklassen und innerhalb dieser in verschiedene Branchen zu investieren. Und selbstverständlich gilt weiterhin, dass Anlegerinnen und Anleger an einer gewählten Strategie festhalten und nicht in Panik verfallen sollten, wenn sich eine neue Krise abzeichnet.

Trotz Krisen bleiben die Aussichten positiv.
Professionelles GLKB-Porträt vor grauem Hintergrund.
Sacha Bernheim, Anlageberater bei der Glarner Kantonalbank
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