Rückblick 2025: Renditen trotz Turbulenzen – und was 2026 wichtig wird
Herr Widmer, wie fällt Ihr Fazit zum Anlagejahr 2025 aus?
Unter dem Strich sehr erfreulich. Trotz eines anspruchsvollen Umfelds erzielten die Finanzmärkte überdurchschnittliche Renditen. Unsere Einschätzung vom Vorjahr hat sich bestätigt: Sinkende Inflation, tiefere Leitzinsen und robuste Unternehmensgewinne waren die entscheidenden Treiber. Davon profitierten auch unsere Kundinnen und Kunden mit Vermögensverwaltungsmandaten, die eine sehr gute Performance erzielten.
Dabei war 2025 alles andere als ruhig. Was hat die Märkte besonders bewegt?
Es gab zahlreiche Unsicherheiten. Der Regierungswechsel und ein historisch langer Government Shutdown in den USA, neue Zölle, geopolitische Spannungen sorgten für hohe Volatilität. Auch technologische Entwicklungen wie neue KI-Lösungen aus China haben die Märkte kurzfristig stark beeinflusst. Umso bemerkenswerter ist, wie robust sich die Finanzmärkte insgesamt gezeigt haben.
Welche Rolle spielten Inflation und Zinsen?
Eine zentrale. Die Leitzinsen sanken in der Schweiz im Jahresverlauf um 0,5 Prozentpunkte. In der Schweiz und in der Eurozone war dies dank rückläufiger Teuerung möglich. In den USA lag die Inflation weiterhin höher, dennoch senkte auch die US-Notenbank die Zinsen, um den Arbeitsmarkt zu stützen. Dieses Umfeld war günstig für viele Anlageklassen.
Wie entwickelten sich die einzelnen Anlageklassen?
Aktien leisteten den grössten Renditebeitrag. Der Schweizer Aktienmarkt legte deutlich zu, ebenso die internationalen Märkte. Obligationen profitierten von den sinkenden Zinsen, auch wenn Währungseffekte – insbesondere die Schwäche des US-Dollars – die Renditen für Schweizer Investoren teilweise schmälerten. Liquidität blieb als Ertragsquelle unattraktiv, erwies sich aber zur Nutzung von Marktchancen als sinnvoll. Bei den alternativen Anlagen überzeugten Schweizer Immobilienfonds und Gold, das mehrere neue Höchststände erreichte.
Viele sprechen von einer möglichen KI-Blase. Teilen Sie diese Sorge?
Wir sehen gewisse Übertreibungen, eine eigentliche Blase halten wir für eher unwahrscheinlich. Im Unterschied zur Dotcom-Zeit erzielen die führenden Unternehmen heute solide Cashflows und verfügen über robuste Geschäftsmodelle. Kurzfristige Korrekturen sind möglich, ein breiter Markteinbruch erscheint uns aber momentan wenig wahrscheinlich.
Wie blicken Sie auf das Anlagejahr 2026?
Grundsätzlich zuversichtlich. Wir erwarten globales Wachstum, wenn auch mit regionalen Unterschieden. Die Geldpolitik dürfte vorsichtig locker bleiben. Gleichzeitig müssen Anlegerinnen und Anleger mit Phasen erhöhter Volatilität rechnen. Geopolitische Risiken bleiben präsent.
Was bedeutet das für die Anlagestrategie der Glarner Kantonalbank?
Wir setzen weiterhin auf eine disziplinierte, breit diversifizierte Vorgehensweise. Strategisch reduzieren wir Obligationen leicht zugunsten von Aktien und nähern uns stärker der globalen Marktkapitalisierung an. Taktisch sehen wir Chancen in der Eurozone und in den Schwellenländern. Es ist wichtig, flexibel zu bleiben und die Positionierung laufend zu überprüfen.
Mein Rat: Zuversicht bewahren, weder übermütig noch übervorsichtig sein. Erfolgreiches Anlegen erfordert Geduld, Disziplin und eine risikobewusste Strategie – und manchmal auch gute Nerven. Eine professionelle Beratung hilft, auch in bewegten Zeiten den Überblick zu behalten.